Die Frage kommt fast immer, bevor es technisch wird. Eine Geschäftsführung hat gelesen, dass die Cloud flexibler und günstiger sei. Nun möchte sie wissen, ob sich der Umzug lohnt. Lange galt die Antwort als selbstverständlich: Wer in die Cloud geht, spart. Die Praxis sieht anders aus. Manche Umgebungen werden in der Cloud schneller und günstiger. Andere werden teurer, ohne dass sich an der Leistung etwas verbessert.
Der Unterschied liegt selten in der Technik, sondern in der Vorarbeit: ob vorher geklärt wurde, was die Anwendungen leisten sollen und wie ihre Last verläuft. Dieser Beitrag zeigt, wie diese Klärung aussieht und woran sich die Entscheidung am Ende festmacht.
Was soll die IT leisten?
Die Cloud lohnt sich dort, wo sie etwas ermöglicht, das der eigene Betrieb nicht oder nur mit großem Aufwand leistet. Deshalb steht am Anfang nicht der Preis, sondern der Zweck.
IT betrifft heute jeden Bereich eines Unternehmens. Über ihren Einsatz entscheiden längst nicht mehr nur IT-Fachleute. Wer eine Entscheidung vorbereitet, sollte deshalb zuerst beschreiben, was die Anwendungen tun: Laufen sie gleichmäßig rund um die Uhr, etwa eine Fachanwendung oder ein Kundenportal, das täglich genutzt wird? Schwankt die Last stark, etwa bei einer Plattform mit wachsender Nutzerzahl? Werden sie nur zeitweise gebraucht, etwa Test- und Staging-Umgebungen, Build-Pipelines oder erste KI-Piloten?
Gerade das letzte Beispiel zeigt, was die Cloud kann. In einer automatisierten Umgebung werden Testsysteme für einen Lauf gestartet und danach wieder abgebaut. Bezahlt wird nur die Laufzeit. Die Kosten lassen sich genau dem Prozess „Softwaretest“ zuordnen. Im eigenen Rechenzentrum, also On-Premises, stünde dieselbe Kapazität das ganze Jahr bereit. Wer die Cloud nur als günstigeren Serverstandort betrachtet, übersieht solche Möglichkeiten. Und er übersieht, dass zusätzliche Kapazität dort in Minuten bereitsteht, während neue Hardware im eigenen Rechenzentrum oft Wochen braucht.
Warum die Cloud nicht automatisch günstiger ist
Schwankt die Last, ist die Public Cloud meist günstiger. Läuft sie gleichmäßig, ist sie oft teurer. Das liegt am Preismodell: Abgerechnet wird nach Nutzung. Laufen Server ohnehin rund um die Uhr unter gleicher Last, verwandelt sich dieser Vorteil in einen Aufschlag. Reservierte Kapazitäten senken den Preis deutlich, setzen aber eine Planung über ein oder drei Jahre voraus.
Dazu kommen Kosten, die auf keiner Cloud-Rechnung stehen, allen voran das Personal für Betrieb und laufende Optimierung. Wie groß dieser Anteil werden kann, zeigt unsere Beispielrechnung zu den tatsächlichen Cloud-Kosten eines Mittelständlers. Wer nur die Rechnung des Anbieters mit den bisherigen Serverkosten vergleicht, vergleicht deshalb nur die Hälfte.
Welche Kosten gehören in einen ehrlichen Vergleich?
Ein belastbarer Vergleich stellt alle Kosten nebeneinander, die über die Nutzungsdauer anfallen, nicht nur die Preise für Rechenleistung und Speicher. Die folgende Übersicht vergleicht drei Betriebsmodelle: den Betrieb On-Premises auf eigener Hardware im eigenen Rechenzentrum, eine selbst betriebene Public Cloud und eine Managed Private Cloud, die beim Dienstleister läuft und nur einem Unternehmen zur Verfügung steht.
| Kostenblock | On-Premises | Public Cloud, selbst betrieben | Managed Private Cloud |
|---|---|---|---|
| Hardware | Kauf, Ersatz alle drei bis fünf Jahre | im Nutzungspreis enthalten | im Festpreis enthalten |
| Strom, Klima, Fläche | eigene Kosten | im Nutzungspreis enthalten | im Festpreis enthalten |
| Personal für den Betrieb | eigene Fachkräfte, Bereitschaft rund um die Uhr | eigene Fachkräfte für Betrieb und Kostensteuerung | Betrieb der Plattform im Festpreis enthalten |
| Datenabfluss | keine volumenabhängigen Gebühren, aber Leitungskosten | Gebühren je übertragener Datenmenge | keine Egress-Gebühren |
| Überdimensionierung | Reserve für Spitzen steht dauerhaft bereit | Ressourcen, die niemand zurückbaut | Kapazität wird mit dem Betreiber angepasst |
| Migration und Umbau | entfällt, solange man bleibt | einmalig, oft unterschätzt | einmalig |
Zwei Posten werden besonders häufig übersehen. Der Datenabfluss: Wer große Datenmengen aus der Public Cloud heraus überträgt, zahlt dafür je Gigabyte. Und die Überdimensionierung: Ressourcen werden für eine Spitze bereitgestellt und danach nicht zurückgebaut. In der Public Cloud kosten sie jeden Monat weiter.
Die Spalte „selbst betrieben“ beschreibt den Ausgangspunkt vieler Unternehmen. Wer die Public Cloud von einem Dienstleister betreiben lässt, verlagert Personal, Überwachung und Kostensteuerung ebenfalls nach außen. Damit verschieben sich die Kostenblöcke dieser Spalte in einen planbaren Servicepreis.
Wie rechnet man die Vollkosten?
Man rechnet die Gesamtkosten aller Modelle über denselben Zeitraum von drei bis fünf Jahren, getrennt nach direkten und indirekten Kosten. Im Englischen heißt diese Betrachtung Total Cost of Ownership. Wir gehen dabei in vier Schritten vor:
- Workloads nach Lastprofil einteilen: gleichmäßig, schwankend oder zeitweise. Dieses Profil entscheidet stärker über die Kosten als jeder Listenpreis.
- Direkte Kosten erfassen: Infrastruktur, Lizenzen, Datenabfluss und das anteilige Personal. Beim Personal hilft die Frage, wie viele Stunden im Monat heute in Betrieb, Updates, Überwachung und Störungen fließen.
- Indirekte Kosten ergänzen: Migration, Umbau der Anwendungen, Schulung, Bereitschaftsdienste und das Risiko von Ausfällen.
- Mischformen mitrechnen: nicht nur „alles im eigenen Haus“ gegen „alles in die Cloud“, sondern auch die Grundlast auf fester Infrastruktur und die Spitzen in der Public Cloud.
Für die Infrastrukturkosten bieten die Anbieter eigene Werkzeuge an, etwa den AWS Pricing Calculator oder den Preisrechner für Azure. Die Ergebnisse sind ein guter Ausgangspunkt, bilden aber nur die Infrastruktur ab. Personal und Umbau muss man selbst ergänzen. Ob die gewählten Größen zur tatsächlichen Last passen, zeigt sich erst im Betrieb.
Welche Last gehört wohin?
Gleichmäßige Last gehört in der Regel auf Infrastruktur zum Festpreis, schwankende Last und Dienste, die es nur bei den Hyperscalern gibt, gehören in die Public Cloud. Aus dem Lastprofil ergibt sich damit meist eine klare Zuordnung.
Eine Fachanwendung, die rund um die Uhr gleichmäßig arbeitet, läuft auf einer Private Cloud zum planbaren Monatspreis meist günstiger als auf Pay-per-Use-Infrastruktur. Das gilt besonders dann, wenn regulierte oder besonders schützenswerte Daten in Deutschland bleiben sollen.
Eine Plattform mit stark schwankender Last, eine Anwendung mit Nutzern weltweit oder ein Vorhaben mit Serverless- oder Machine-Learning-Diensten ist dagegen in der Public Cloud oft besser aufgehoben. Solche Umgebungen betreiben wir als Managed Public Cloud, vor allem auf Azure, einschließlich der laufenden Kostensteuerung.
Viele Unternehmen landen so bei einer hybriden Lösung: die Grundlast auf der Private Cloud, die Spitzen in der Public Cloud. Einige holen planbare Workloads inzwischen bewusst aus der Public Cloud zurück. Das ist kein Rückschritt, sondern das Ergebnis einer Rechnung.
Wie das in der Praxis aussieht
Der Ernst Klett Verlag suchte einen Partner für den Betrieb seiner Internetpräsenz, einer E-Learning-Plattform und eines Webshops. Die Ausschreibung verlangte größtmögliche Flexibilität bei maximaler Sicherheit und bester Performance. Die Lösung ist keine reine Public Cloud, sondern eine gemanagte Private Cloud, in der sich virtuelle Maschinen flexibel starten und stoppen lassen. Die Infrastruktur ist von anderen Kunden abgeschottet, die Daten bleiben innerhalb dieser Infrastruktur. Arbeitsspeicher, Rechenleistung und Speicher der einzelnen Instanzen lassen sich trotzdem nach Bedarf anpassen. Das Beispiel zeigt, dass die Frage „Cloud oder nicht?“ oft zu grob ist. Entscheidend war, welche Eigenschaften der Cloud das Projekt wirklich braucht.
Was außer den Kosten zählt
Kosten sind der wichtigste, aber nicht der einzige Maßstab. Mindestens drei weitere Punkte entscheiden mit, ob sich die Cloud lohnt.
Die Architektur: Eine Anwendung unverändert auf eine virtuelle Maschine in der Cloud zu verschieben, bringt meist keinen Kostenvorteil. Erst wenn sie sich bei Bedarf auf weitere Instanzen verteilen und danach wieder zurückfahren lässt, zahlt man weitgehend nur für die tatsächlich genutzte Kapazität. Wie weit eine Anwendung davon entfernt ist, klärt ein Blick auf Cloud-native Architekturen und Container.
Die Menschen: Wer betreibt die Umgebung, wer überwacht sie nachts, wer steuert die Kosten? Die Steuerung von Cloud-Ausgaben ist eine eigene Disziplin, die unter dem Begriff FinOps beschrieben wird. Fehlen diese Kompetenzen im Haus, müssen sie aufgebaut oder eingekauft werden.
Die Regeln: NIS2, DORA und branchenspezifische Vorgaben stellen Anforderungen an Betrieb, Nachweise und Auslagerung. Welche davon für ein Unternehmen gelten, sollte vor dem Umzug feststehen. Einen Überblick gibt die Seite zu Regulatorik und Compliance.
Sechs Fragen vor der Entscheidung
- Was sollen die Anwendungen leisten? Welche Möglichkeiten der Cloud brauchen sie wirklich?
- Welche Workloads laufen gleichmäßig, welche schwanken?
- Was kosten Betrieb und Personal heute, einschließlich Bereitschaft und Updates?
- Welche einmaligen Kosten entstehen für Migration und Umbau?
- Welche Anforderungen gelten für Verfügbarkeit, Sicherheit, Datenschutz und Regulierung?
- Wer steuert nach dem Umzug die Kosten, damit sie nicht wieder auseinanderlaufen?
Fazit: Die Cloud lohnt sich dort, wo sie gebraucht wird
Die Cloud ist weder pauschal günstiger noch pauschal teurer. Sie lohnt sich für schwankende Lasten, zeitweise Umgebungen und Dienste, die es nur dort gibt. Für gleichmäßige Grundlast ist Infrastruktur zum Festpreis oft die wirtschaftlichere Wahl, ob On-Premises oder als Managed Private Cloud. Deshalb beginnen wir jede dieser Beratungen mit der Gegenfrage, was die IT leisten soll. Gerechnet wird erst danach. Wie das für Ihre Umgebung aussieht, klären wir in einem Cloud-Kosten-Check: Wir ordnen Ihre Workloads den passenden Plattformen zu und rechnen Ihr Szenario durch.