Geplante Wartung zählt bei den meisten Managed-Cloud- und Hosting-SLAs nicht als Ausfallzeit. Anbieter nehmen angekündigte Wartungsfenster über die Definition von „Downtime” aus der Verfügbarkeitsberechnung heraus, allerdings nur unter klaren Bedingungen. Dieser Beitrag erklärt, was wirklich in Ihr Ausfallbudget zählt und worauf Sie in der Vertragsklausel achten müssen. Mit dem Planer weiter unten prüfen Sie, ob Ihr Wartungsplan zum Verfügbarkeitsziel passt.

Zählt geplante Wartung als Ausfallzeit?

In der Regel nein. Bei den meisten Cloud- und Hosting-SLAs gilt angekündigte, geplante Wartung nicht als Ausfallzeit im Sinne der Verfügbarkeitsgarantie. Sie wird über die Definition von „Downtime” oder über eine ausdrückliche Ausschlussliste aus der Berechnung genommen. Das ist Marktstandard, von den Hyperscalern bis zu deutschen Anbietern.

Google formuliert es in seinem Compute Engine SLA direkt in der Definition: „Downtime does not include Scheduled Downtime.” Microsoft führt geplante Wartung in seinem SLA-Leitfaden als typischen Ausschluss auf, neben höherer Gewalt, kundenseitigen Aktionen und Fehlkonfiguration. Entscheidend ist damit nicht der Prozentwert allein, sondern die Definition von Ausfallzeit und die Liste der Ausschlüsse. Eine Zusage von 99,9 % bedeutet nicht automatisch, dass höchstens 8,76 Stunden Ausfall pro Jahr eintreten.

Unter welchen Bedingungen darf Wartung ausgeschlossen werden?

Der Ausschluss ist nicht bedingungslos. Damit ein Wartungsfenster wirksam von der Verfügbarkeit ausgenommen werden darf, müssen in der Praxis vier Voraussetzungen erfüllt sein. Fehlen sie, ist die Klausel angreifbar.

  1. Vorherige Ankündigung mit fester Frist (marktüblich 24 Stunden bis 7 Kalendertage).
  2. Klare zeitliche Begrenzung pro Fenster.
  3. Angemessene Häufigkeit mit einer Obergrenze pro Monat oder Quartal.
  4. Durchführung möglichst außerhalb der Hauptnutzungszeit.

Rechtlich ist das relevant: Wartungsfenster, die faktisch einen Freibrief für dauerhafte Teilausfälle darstellen, halten laut einer AGB-rechtlichen Einordnung einer Inhaltskontrolle nicht stand (Transparenzgebot, § 307 Abs. 1 S. 2 BGB). Eine faire Klausel benennt also konkrete Grenzen, keine offenen Formulierungen.

Wie viel Ausfall erlaubt Ihr SLA?

Der Prozentwert übersetzt sich in ein festes Ausfallbudget. Bei 99,9 % sind das 8,76 Stunden pro Jahr oder rund 43,8 Minuten pro Monat. Jede weitere Neun senkt das Budget um den Faktor zehn. Die folgende Tabelle rechnet die gängigen Stufen auf Basis von 8.760 Stunden pro Jahr um.

VerfügbarkeitAusfall pro JahrAusfall pro Monat
99 %87,6 h7,3 h
99,5 %43,8 h3,65 h
99,9 %8,76 h43,8 min
99,95 %4,38 h21,9 min
99,99 %0,88 h (52,56 min)4,38 min

Dieses Budget umfasst geplante und ungeplante Ausfälle, solange Wartung nicht vertraglich ausgeschlossen ist. Ist Wartung ausgeschlossen, bleibt das gesamte Budget für echte Störungen erhalten. Genau hier liegt der Denkfehler, den viele machen: Sie planen ihre Wartungsfenster in das Ausfallbudget hinein, obwohl die Wartung oft gar nicht dagegen zählt. Der Planer zeigt beides, das Budget und den Verbrauch durch Ihre Wartung.

Wartungsfenster-Planer
Wie viel Wartung verträgt Ihr SLA?
Jedes Wartungsfenster zehrt am SLA-Budget. Der Planer zeigt, ob Ihre Wartungsstrategie zum Verfügbarkeitsziel passt und wie viel Spielraum für ungeplante Ausfälle bleibt.
Verfügbarkeitsziel
Betriebszeiten
Von bis
Mein Wartungsplan
Fenster à Min. / Monat
0 % 100 %
SLA-Wartungsbudget
Pro Monat
Pro Jahr

Das ist die gesamte erlaubte Ausfallzeit Ihres SLA-Ziels. Sie umfasst geplante und ungeplante Ausfälle. Prüfen Sie im Vertrag, ob Wartungsfenster ausgeschlossen sind: Dann bleibt das Budget für echte Störungen vollständig erhalten.

Bei Adacor zählen angekündigte Wartungsfenster nicht gegen die SLA-Verfügbarkeit: maximal 4 Stunden pro Monat, mindestens 72 Stunden im Voraus angekündigt.

Verbleibend nach Ihrer Wartung:

Wie handhaben große Anbieter Wartung im SLA?

Die Behandlung ist über Anbieter hinweg erstaunlich einheitlich: geplante Wartung ist ausgeschlossen, die Bedingungen unterscheiden sich im Detail. Die folgende Übersicht fasst dokumentierte Regelungen zusammen.

AnbieterUptime-ZusageRegel für geplante Wartung
Google Compute Engine99,99 % (Multi-Zone)„Downtime does not include Scheduled Downtime”
AWS Compute (EC2/EBS)99,99 % (Region)Wartung laut AWS-Vertrag von den Credits ausgenommen
Microsoft AzureproduktabhängigGeplante Wartung als dokumentierter Ausschluss
Ionos Cloud99,95 % (Monatsmittel)Max. 4 h pro Quartal, 2 Arbeitstage Vorlauf, nicht angerechnet
Adacorvertraglich vereinbartAngekündigte Wartung zählt nicht, max. 4 h pro Monat, 72 h Vorankündigung

Quellen: Google Compute Engine SLA, AWS Compute SLA, Microsoft SLA-Leitfaden, Ionos Public Cloud SLA. Die konkrete Minutenzahl aus Microsofts Leitfaden (15 Minuten pro Woche) stammt aus einem didaktischen Beispiel-SLA, nicht aus einem realen Azure-Produkt.

Geplante und ungeplante Ausfallzeit: der Unterschied

Beide Begriffe trennen die Ursache der Nichtverfügbarkeit, nicht ihre Wirkung auf Ihre Nutzer.

Geplante Ausfallzeit entsteht durch angekündigte Tätigkeiten wie Wartung, Hardware-Ausbau oder Software-Updates. Sie ist durch Vorausplanung und Kommunikation steuerbar und fällt in ein definiertes Wartungsfenster.

Ungeplante Ausfallzeit entsteht durch unvorhergesehene Ereignisse wie Hardwaredefekte, Softwarefehler oder Bedienerfehler. Sie ist der Fall, gegen den ein SLA eigentlich absichern soll.

Wichtig für die Bewertung: Aus SLA-Sicht zählt geplante Wartung oft nicht, aus Sicht Ihrer Endnutzer schon. Wer die Anwendung braucht und sie nicht erreicht, erlebt einen Ausfall, unabhängig davon, ob er im Vertrag als solcher gilt. Ein gutes Wartungskonzept minimiert deshalb die reale Unterbrechung, nicht nur die vertraglich angerechnete.

Woran Sie eine faire Wartungsklausel erkennen

  1. Prüfen Sie zuerst die Downtime-Definition und die Ausschlussliste, nicht nur den Prozentwert. Der Prozentwert ist ohne diese Definitionen wenig aussagekräftig.
  2. Rechnen Sie geplante Wartung getrennt mit. Die reale Nichtverfügbarkeit ist die Summe aus ungeplantem Ausfall und Wartungsfenstern.
  3. Verlangen Sie Obergrenzen. Dauer pro Fenster, Häufigkeit und eine Gesamtgrenze pro Monat oder Quartal gehören in den Vertrag.
  4. Fixieren Sie die Ankündigungsfrist. Ohne verbindlichen Vorlauf kann Wartung kurzfristig in Ihre Kernzeit fallen.
  5. Legen Sie das Wartungsfenster in Randzeiten. Ein festes Nachtfenster begrenzt die Wirkung auf Ihren Betrieb.
  6. Unterscheiden Sie Service-Credits von Schadenersatz. Credits sind meist ein kleiner Anteil der Monatsgebühr und decken keinen Umsatzverlust. Sie müssen zudem aktiv und fristgerecht eingefordert werden.

Wartung bei Adacor: angekündigt, begrenzt, nicht auf Ihre Verfügbarkeit angerechnet

Bei Adacor zählen angekündigte Wartungsfenster nicht gegen die SLA-Verfügbarkeit. Wir begrenzen sie auf maximal 4 Stunden pro Monat und kündigen sie mindestens 72 Stunden im Voraus an. Ihr Ausfallbudget bleibt damit vollständig für den Fall reserviert, für den es gedacht ist: die ungeplante Störung.

Das passt zu unserem Anspruch als Managed Platform Provider. Wir verantworten Plattformen für geschäftskritische Workloads auf souveräner Infrastruktur in Frankfurt, mit kalkulierbaren Festpreisen und klaren Zusagen. Wenn Sie Ihre Verfügbarkeits- und Wartungsanforderungen konkret durchsprechen wollen, nehmen wir uns die Zeit dafür.

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