Fragt man in Unternehmen nach der Datensicherung, hört man fast immer dieselbe Antwort: „Haben wir.“ Seltener weiß jemand, wann zuletzt eine Sicherung tatsächlich zurückgespielt wurde, wie lange das gedauert hat und ob die Kopie auch dann noch da wäre, wenn ein Angreifer Administratorrechte hat. Genau diese Fragen entscheiden im Ernstfall. Bei gezielten Ransomware-Angriffen suchen die Angreifer zuerst die Backups und löschen oder verändern sie, bevor sie die produktiven Systeme verschlüsseln.
Wir betreiben die Datensicherung für die Plattformen unserer Kunden als festen Teil der Managed Private Cloud: täglich, verschlüsselt und mit regelmäßigen Restore-Tests. Aus diesem Betrieb wissen wir, dass eine Backup-Strategie weniger an der Technik scheitert als an Annahmen, die nie überprüft wurden.
Was gehört zu einer Backup-Strategie?
Eine Backup-Strategie beantwortet vier Fragen: was gesichert wird, wie oft, wo die Kopien liegen und wie schnell sie zurück sein müssen. Wie oft gesichert wird, bestimmt den möglichen Datenverlust, das Recovery Point Objective (RPO). Wie schnell die Wiederherstellung gelingen muss, legt das Recovery Time Objective (RTO) fest. Beide Werte hängen davon ab, was ein Ausfall das Unternehmen kostet. Wie man sie ermittelt, zeigt unser Beitrag zu RTO und RPO als Toleranzgrenze für Ausfallzeiten.
Daraus folgt, dass nicht alle Daten gleich behandelt werden müssen. Die Datenbank eines Kundenportals braucht ein kurzes Sicherungsintervall und eine schnelle Wiederherstellung. Ein Archiv abgeschlossener Projekte kommt mit einer wöchentlichen Sicherung aus. Eine gute Strategie ordnet jedem System eine Klasse zu, statt alles nach demselben Muster zu sichern.
Welche Methoden der Datensicherung gibt es?
In Unternehmen haben sich fünf Methoden durchgesetzt, die sich gegenseitig ergänzen:
| Methode | Was sie sichert | Wofür sie taugt |
|---|---|---|
| Vollsicherung | Eine Vollsicherung kopiert den gesamten Datenbestand. | Sie ist die Basis jeder Wiederherstellung, braucht aber am meisten Zeit und Speicher. |
| Inkrementelle Sicherung | Eine inkrementelle Sicherung kopiert nur, was sich seit der letzten Sicherung geändert hat. | Sie erlaubt kurze Intervalle, die Wiederherstellung braucht aber alle Teilstände. |
| Differenzielle Sicherung | Eine differenzielle Sicherung kopiert alles, was sich seit der letzten Vollsicherung geändert hat. | Sie ist ein Mittelweg: mehr Speicher als inkrementell, schnellere Wiederherstellung. |
| Snapshot | Ein Snapshot hält den Zustand eines Systems oder Volumes zu einem Zeitpunkt fest. | Er eignet sich für schnelle Rücksprünge, etwa vor einem Update. |
| Replikation | Eine Replikation spiegelt Daten laufend auf ein zweites System. | Sie verkürzt die Ausfallzeit, überträgt aber auch Fehler und Verschlüsselung sofort. |
Für Datenbanken kommt meist eine eigene Sicherung über die Datenbanksoftware hinzu, damit sich ein konsistenter Stand zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederherstellen lässt. Für Managed-Datenbanken in unserer Private Cloud gehört diese Point-in-Time-Recovery zum Betrieb.
Warum ist ein Snapshot kein Backup?
Ein Snapshot ist kein Backup, weil er in der Regel auf demselben Speichersystem liegt wie die Originaldaten und von ihnen abhängt. Fällt das Speichersystem aus oder löscht ein Angreifer das Volume, sind Original und Snapshot zugleich verloren. Ein Backup dagegen ist eine unabhängige Kopie auf einem anderen System.
Wertlos sind Snapshots deshalb nicht. Sie entstehen in Sekunden und sind ideal, um vor einem Update oder einer Konfigurationsänderung einen Rückweg zu haben. In unserer Private Cloud nutzen wir dafür Snapshots auf Ebene des NetApp-Speichers. Die eigentliche Datensicherung läuft getrennt davon. Beides zusammen ergibt erst eine vollständige Absicherung: der Snapshot für den schnellen Rücksprung, das Backup für den Fall, dass das System selbst nicht mehr zu retten ist.
Wo sollte ein Backup aufbewahrt werden?
Ein Backup gehört an mindestens einen Ort, der vom Original getrennt ist. Bewährt hat sich die 3-2-1-Regel: drei Kopien der Daten, auf zwei unterschiedlichen Speichersystemen, davon eine an einem anderen Standort. Die erweiterte Fassung 3-2-1-1-0 ergänzt zwei Punkte: eine Kopie, die offline oder unveränderlich ist, sowie null Fehler beim Wiederherstellungstest.
Wie weit der zweite Standort entfernt sein sollte, hängt von den Risiken ab, gegen die er schützen soll. Ein anderer Brandabschnitt im selben Gebäude hilft bei einem Feuer im Serverraum, nicht aber bei einem Hochwasser oder einem großflächigen Stromausfall. Für georedundante Standorte empfiehlt das BSI deshalb einen deutlich größeren Abstand. Unsere Plattform läuft im NTT-Rechenzentrum in Frankfurt, für Backup und Disaster Recovery steht ein zweiter NTT-Standort in München zur Verfügung, mehr als 200 Kilometer entfernt. Wie wir beide Standorte verbinden, beschreibt die Seite zu unserer Infrastruktur in Frankfurt und München.
Wie schützt man Backups vor Ransomware?
Backups sind vor Ransomware nur sicher, wenn ein Angreifer sie auch mit gestohlenen Zugangsdaten nicht verändern kann. Das BSI nennt das Backup die wichtigste vorbeugende Maßnahme gegen Ransomware und verlangt eine Kopie, die nach dem Sicherungslauf von den übrigen Systemen getrennt ist. Ein Backup auf einem ständig erreichbaren Netzlaufwerk erfüllt das nicht.
In der Praxis heißt das: getrennte Zugangsdaten für die Backup-Infrastruktur, die nicht im normalen Verzeichnisdienst liegen, verschlüsselte Sicherungen und mindestens eine Kopie, die offline ist oder sich für eine festgelegte Zeit nicht löschen lässt. Viele Object-Storage-Angebote nach dem S3-Standard bieten dafür eine Sperre gegen Veränderung. Wichtig ist auch der Blick zurück: Angreifer bleiben oft wochenlang unbemerkt im Netz. Wer nur wenige Tage aufbewahrt, sichert im schlimmsten Fall schon den kompromittierten Zustand.
Wie oft sollte man die Wiederherstellung testen?
Regelmäßig, mindestens einmal im Jahr für jedes wichtige System und nach jeder größeren Änderung. Erst der Test zeigt, ob die Sicherung vollständig ist, ob die Wiederherstellung in der vereinbarten Zeit gelingt und ob die Beteiligten wissen, was zu tun ist. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist eine Hoffnung, kein Nachweis.
Für viele Unternehmen ist das inzwischen auch eine Pflicht. NIS2 nennt Backup-Management und die Wiederherstellung nach einem Notfall ausdrücklich unter den Maßnahmen, die betroffene Unternehmen umsetzen müssen. Was die Richtlinie für den Betrieb in der Cloud bedeutet, fasst unsere Seite zu NIS2 und Cloud-Sicherheit zusammen.
Wer ist in der Cloud für das Backup zuständig?
Das hängt vom Betriebsmodell ab. Genau hier entstehen die meisten Lücken. In der Public Cloud sichert der Anbieter seine Infrastruktur, für die Sicherung der eigenen Daten bleibt der Kunde verantwortlich, solange er sie nicht ausdrücklich an einen Dienstleister übergibt. Eine virtuelle Maschine in einem großen Rechenzentrum ist deshalb nicht automatisch gesichert.
Bei einer Managed Private Cloud ist die Sicherung dagegen Teil der Leistung. Bei Adacor gehören tägliche, verschlüsselte Backups und Restore-Tests zur Plattform, nicht zu einem Zusatzpaket. Auch für Container-Umgebungen sichern wir Cluster-Zustand und persistente Volumes, wie es unser Managed Kubernetes beschreibt. Wie lange die Sicherungen aufbewahrt werden und ob sie zusätzlich in München liegen, legen wir mit jedem Kunden anhand seiner RTO- und RPO-Ziele fest.
Fazit: Ein Backup ist erst gut, wenn die Wiederherstellung geprobt ist
Eine Backup-Strategie im Unternehmen steht auf vier Beinen: klare Ziele für Datenverlust und Ausfallzeit, Kopien an getrennten Orten, mindestens eine für Angreifer unerreichbare Kopie und eine geprobte Wiederherstellung. Snapshots und Replikation ergänzen das Backup, ersetzen es aber nicht. Wer seine Plattform von einem Dienstleister betreiben lässt, sollte schriftlich klären, was gesichert wird, wo die Kopien liegen und wann zuletzt getestet wurde. Wenn Sie das für Ihre eigenen Systeme durchgehen möchten, sprechen Sie mit unserem Team.