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Interviews

Die Möglichkeiten von mHealth-Anwendungen sind enorm!

Prof. Dr. Thomas Jäschke Gründer und Leiter des ISDSG
Die Möglichkeiten von mHealth sind riesig

Gründer und Leiter des Institutes für Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen (ISDSG), Medizin-Wirtschaftsinformatiker Prof. Dr. rer. medic. Thomas Jäschke, sieht die Möglichkeiten von mHealth bei Weitem noch nicht ausgeschöpft. Im Interview erläutert er, inwiefern das Gesundheitswesen von den Möglichkeiten moderner Informationstechnologie profitiert und welche Aspekte vor allem aus Sicht des Datenschutzes von Bedeutung sind.

Die Möglichkeiten von mHealth sind riesig

Das ISDSG ist auf Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen spezialisiert. Welche Leistungen umfasst Ihr Angebot im Detail und wer ist genau Ihre Zielgruppe?

Das ISDSG – Institut für Sicherheit und Datenschutz im Gesundheitswesen - in Dortmund beschäftigt sich mit allen Fragen zum Thema Informationssicherheit und Datenschutz mit Schwerpunkt auf den Akteuren des Gesundheitswesens. Das Institut wurde von mir 2011 gegründet. Das Portfolio des ISDSG umfasst neben den frei zugänglichen Informationen und Dienstleistungen auch besonders auf Praxen und Unternehmen ausgerichtete Angebote. Die fortschreitende Digitalisierung in der Medizin aufgrund der Potenziale der neuen Informationstechnologien ist der Motor unseres spezialisierten Teams.

Mit einem weiteren Zweig meines Unternehmens (smartcircles) haben wir uns auf den Bereich mHealth spezialisiert. Sodass beide Bereiche für den Kunden aus dem Gesundheitswesen gewinnbringend.

In welcher Form profitiert die Medizin Ihres Erachtens von moderner Informationstechnologie?

Die medizinische Versorgung in Deutschland gilt, auch in technologischer Hinsicht, als ausgezeichnet. Dennoch ist hier in Bezug auf die Prozessabläufe und die persönliche Patientenbetreuung noch Potenzial zu sehen. Kosteneinsparungen, Entlastung der Mitarbeiter und mehr Zeit für Patienten können zu einer noch besseren Behandlungsqualität beitragen und sich positiv auf Reputation und Image eines Krankenhauses auswirken.

Das Potenzial ist in diesem Bereich sicher vorhanden. Es kommt vor allem auf die Kooperation von Leistungserbringer und Patienten/Versicherten an. Optimal wird es, wenn in einem definierten Umfang eine medizinische Begleitung stattfindet, durch Ärzte oder speziell ausgebildete Pflegekräfte. Mit den dann verlässlichen Informationen kann der Mediziner - und am Ende auch der Patient - einen Nutzen daraus ziehen. Dies kann, eingebettet in eine ganzheitliche Unternehmensstrategie, sowohl zu Prozessoptimierungen und gesteigerter Behandlungsqualität führen als auch der Patientenzufriedenheit zu Gute kommen und langfristig Patienten, Partner und Einweiser binden und damit auch Kosten senken.

Welche Rolle spielt heutzutage Mobilität im Gesundheitswesen?

Gegenüber webbasierten Lösungen haben die „echten“ mobilen Anwendungen (sogenannte native Apps) den Vorteil, die Ressourcen mobiler Endgeräte (Smartphones, Smartwatches etc.) optimal nutzen zu können. Das umfasst die optimierte Bedienbarkeit (User Experience), die Nutzung der Rechenleistung sowie der lokalen Aktoren/Sensoren des Geräts. Dazu kommt die Nutzbarkeit im Offlinebetrieb, sodass dokumentierte Vitaldaten erst zu einem späteren Zeitpunkt synchronisiert werden müssen.

Das Thema mobile Health ist ein großer Wachstumsmarkt. Und das nicht zuletzt durch die Durchdringung von Smartphones. Wir wollen heute alles mobil erledigen, das fängt schon damit an, dass niemand mehr lange auf ein Rezept in einer Arztpraxis warten möchte. Am besten wäre ein Klick in der App, die es möglich macht, dass mir als Patienten das Rezept umgehend zugeschickt wird. Und zwar unabhängig davon, wie spät es ist oder wo ich mich gerade befinde.

Was leisten in diesem Zusammenhang sogenannte mHealth-Anwendungen? Ersetzen sie zukünftig den Gang zum Arzt?

Die Möglichkeiten von mHealth sind riesig: Angefangen von dem reinen Identifizieren von Prozessen und Diensten, welche für den mobilen Einsatz umgerüstet werden, bis hin zum innovativen Einsatz für neue diagnostische Möglichkeiten, die Erhöhung der Gesundheits-Awareness und die Unterstützung im Alltag (AAL). Den Gang zum Arzt werden und sollen sie nicht ersetzen, aber sie können den Behandlungsprozess optimieren. Apps, die bereits heute eine solche Diagnostik ohne einen Arztbesuch versprechen, sind leider die schwarzen Schafe unter den App-Entwicklern.

Aber mHealth kann die Arzt-Patienten-Kommunikation optimieren. Der gezielte und gut dosierte Einsatz kann den Behandlungsprozess durch asynchrone Kommunikation unterstützen, sollte aber synchrone, vor allem persönliche Kommunikation nicht ersetzen. Ziele können sein eine bessere Betreuung, Versorgung und Diagnostik sowie ggf. eine schnellere Reaktion auf veränderte Rahmenbedingungen. Wünschenswert ist es zudem, wenn durch den optimierten Austausch und die rechtzeitige Verfügbarkeit von Informationen die Zeit für persönliche Zuwendung erhöht werden kann.

Gleichzeitig kann mHealth auch die Prozesskette zwischen den Leistungserbringern unterstützen: Bei enger Zusammenarbeit der Leistungserbringer wird mHealth immer eine zusätzliche Bedienungs-/Ansichtsebene darstellen. Die eigentliche Funktionalität ist nicht mHealth-spezifisch. Bei loser Kooperation, bei der die tiefe Integration nicht im Vordergrund steht, sind mHealth-Lösungen daher ideal für den Informationsaustausch geeignet.

Welche Rolle spielt Datenschutz im Zusammenhang mit mHealth-Anwendungen?

Eine große Rolle! Apps greifen häufig auf diverse Daten zu, die sie nicht brauchen, sammeln also Daten, um diese an Dritte weiterzugeben. Nicht immer geschieht dies anonymisiert. Die Transparenz über die Speicherung und Verarbeitung der Daten unter besonderer Berücksichtigung des Datenschutzes ist Voraussetzung für die Akzeptanz beim Benutzer.

Wird das Thema Datenschutz von Verbrauchern und Patienten generell unterschätzt?

Nicht unterschätzt, vielen ist allerdings gar nicht bewusst, wie wertvoll ihre eigenen Daten sind, welche Arten von Missbrauch generell existieren und welche Auswirkungen diese ggf. haben können.

Wo liegen Ihres Erachtens Chancen, aber auch Risiken der Massendatenverarbeitung?

Die Chancen liegen klar im Bereich der Versorgungsforschung. Die Risiken dagegen ergeben sich daraus, dass trotz Anonymisierung eine Profilerstellung durch Dritte erfolgen kann oder Unbefugte gezielt große Datenspeicher angreifen.

Welche Vorsichtsmaßnahmen kann der Verbraucher selbst treffen, wenn es um den Schutz seiner personenbezogenen Daten geht?

Der Verbraucher sollte sich die Mühe machen, die Nutzungsbedingungen der App zu lesen, und für sich bewerten, ob mit seinen Daten datenschutzkonform umgegangen wird. Im Zweifelsfall sollte er eine Anfrage an den Anbieter stellen, der nach BDSG zur Auskunft verpflichtet ist.

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Kiki Radicke
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